BIOGRAFIE

 

Reiner Schneider-WaterbergIch bin in Namibia geboren und aufgewachsen, mein Großvater war vor knapp 100 Jahren aus Deutschland ausgewandert, meine Familie lebt dort auf der Farm Okosongomingo. Ich besuchte die Deutsche Schule Otjiwarongo, verbrachte jede freie Minute vertieft in deutsche Bücher, sang hingabevoll zweite Stimmen zu deutschen Volksliedern über Schneegebirge, Bäche und Wälder, die es bei uns alle nicht gab, nur „gehen wir uns ein Wildschwein jagen” verstand ich: ich war mit 12 Jahren begeisterter Warzenschweinjäger.

Mit 14 kam der große Kulturschock: das englische Kirchengymnasium Michaelhouse in Natal, Südafrika, 2500 km von daheim entfernt. Dort musterte ich mich zum Erfolgsschüler und bekam nach meinem Schulabschluss ein Stipendium, von dem jährlich nur zwei in Südafrika vergeben wurden, nach freier Wahl zu studieren. Da ich nicht wusste, was ich „mal werden wollte”, studierte ich alles gleichzeitig, so dass ich nach vier Jahren an der Universität Stellenbosch bei Kapstadt einen Bachelor und Honours in Mathematik und Volkswirtschaft und einen Bachelor in Klassischen Sprachen vorzuweisen hatte. Außerdem sang ich in dem ausgezeichneten Universitätschor unter Acáma Fick und in den Männerensembles Boschtroebadoers und Boschenzangers, die beide den südafrikanischen Musikwettbewerb Crescendo gewannen.

Ein weiteres Stipendium brachte mich an das St. John’s College in Cambridge, England, wo ich zunächst einen Magister in International Relations absolvierte und dann begann, im gleichen Fach zu promovieren. Inzwischen allerdings hatte die Entdeckung, dass ich Countertenor singen konnte, mein Leben stark verändert: ich sang in wöchentlich vier Gottesdiensten im Trinity College Choir unter Richard Marlow (zusätzlich nahmen wir in drei Jahren 9 CDs auf und gingen auf 10 internationale Konzertreisen), im University Chamber Choir und auch sehr viel solistisch, so dass das Studium begann, zu kurz zu kommen. In Cambridge lernte ich auch 1994 Singer Pur kennen auf einem Kurs des Hilliard Ensembles: ich war natürlich hell begeistert, doch verlief sich der Kontakt zunächst.

1994 war es so weit: ich brach die Promotion ab und ging ans Mozarteum nach Salzburg, um dort bei Monika Lenz Gesang zu studieren. Ich sang als Altus Winterreise und Dichterliebe, Messias auf drei Kontinenten, einige CD-Einspielungen und in verschiedenen Formationen. 1996 ging ich nach Basel an die Schola Cantorum Basiliensis, um dort Alte Musik: Gesang zu studieren. Ich wurde Mitglied des Renaissance-Vokalsextetts Hofkapelle und sang gelegentlich im Ferrara Ensemble. Nach einigen Wirren begann ich 1998 in der Gesangsklasse von Evelyn Tubb mit der Ausbildung der Baritonlage meiner Stimme und schloss im Mai 2001 mein Diplomkonzert mit „sehr gut” ab. Weitere Gesangsfortbildung bei Markus Haas, Canto functionale. Außerdem entdeckte ich eine Begeisterung für Chorleitung, die ich ausgiebig auslebte, ob mit Kirchen-, Männer-, Kinder- oder Altenheimchor.

Ja, und plötzlich ergaben ein paar Zufälle ein Wiedersehen mit Singer Pur, und so singe ich nun wieder mit Hingabe (nicht nur) deutsche Volkslieder, in etwas komplizierteren Arrangements, versteht sich . . .