BIOGRAFIE

 

Markus ZappMeine zumindest stimmlichen Ambitionen soll ich angeblich schon sehr früh recht hartnäckig ganz zum Leidwesen meiner Eltern und Geschwister geschult haben. Morgens waren meine Augen noch nicht offen, aber mein Stimmorgan ließ unüberhörbar meinen Tagesanbruch verlauten. Dieser Drang der Selbstverwirklichung wurde bei mir erstmals mit der fast obligatorischen Blockflöte im Kindergarten und dem frühen Erlernen des Akkordeonspiels kultiviert.

Eigentlich war mein großer Traum, die Orgel zu erlernen, doch dafür mussten meine Arme und Beine einen noch immensen Abstand zu Tastatur und Pedal überwinden. Ich hatte mich also noch einige Jahre in Geduld zu üben. Obwohl meine im Grundschulalter entstandenen Kompositionen für das Akkordeon irgendwie in die Öffentlichkeit geraten sind, haben meine Eltern nicht den Mut verloren, mich weiterhin musikalisch zu fördern, indem sie mich bei den Regensburger Domspatzen vorstellten. Dort versprach man mir sofort, meinem Wunsch, das Orgelspielen zu erlernen  –  nach Erfüllung der körperlichen Voraussetzungen  –  Genüge zu tun. Damit ist meine Entscheidung für Regensburg gefallen. Meine baldige Einbindung in den Konzertchor ließ ein Studium an Instrumenten nicht mehr intensiv zu und ich konzentrierte mich voll auf den Gesang. Erst in der obligatorischen Zwangspause des Stimmbruchs habe ich mich dann auf die Orgel besonnen. Viele weitere Instrumente hatte ich damals geübt oder drangsaliert, doch eines sollte mich besonders faszinieren, und zwar die Posaune. Meine raschen Fortschritte ließen mich bald den Musikwettbewerb meines Heimatlandkreises Ebersberg für mich entscheiden. Den Leistungskurs Musik und den anschließenden Grundwehrdienst habe ich daraufhin, natürlich bestens motiviert, auch mit der Posaune belegt.

Nach dieser Zeit ist mein musikalischer Werdegang zwangsläufig fest mit Singer Pur verbunden  –  als eines der beiden letzten noch amtierenden Gründungsmitglieder des Ensembles.

Erst vier Jahre nach der Gründung konnten wir  –  durch den Umstand, dass unsere damalige Sopranistin Caroline Höglund ihr Studium in ihrer schwedischen Heimat beenden wollte  –  die Termine so bündeln, dass mir zeitlich halbwegs ein Gesangsstudium möglich war. So studierte ich an der Hochschule für Theater und Musik in München vor allem unter der Obhut von Prof. Hanno Blaschke, Prof. Hanns-Martin Schneidt, Prof. Helmut Deutsch und Céline Dutilly mit so großem Erfolg, dass mir ein weiteres Studienjahr als Förderung zuerkannt wurde.

In dieser Zeit kam ich mit meiner Solostimme bei Hartmut Elbert noch einen großen Schritt weiter. Meine jetzige stimmliche Entwicklung verdanke ich aber vor allem Frau Professor Andrea Mellis (Wien).

Nun freue ich mich, dass ich neben Singer Pur immer wieder Zeit für solistische Aktivitäten finde. Meine größten Erlebnisse waren dabei sicher unter anderem die Zusammenarbeit mit Prof. Uros Lajowic in Ljubljana, mit Helmut Müller-Brühl in der Kölner Philharmonie oder im Theâtre des Champs-Élysées in Paris, das eine oder andere Konzert mit Prof. Hanns-Martin Schneidt, auch in der Münchner Philharmonie, ein Konzert mit dem Hilliard Ensemble in München, eine spannende Proben- und Konzertwoche mit Andrew Parrott in Prag, Haydns „Jahreszeiten” und das großartige „Stabat Mater” von Antonin Dvoƙák mit den Hofer Symphonikern, eine Opernuraufführung bei der Münchner Biennale und vieles mehr.

Leider mangelt es mir dadurch an Zeit, meine Leidenschaft noch mehr auszuleben, Menschen meine Erfahrungen als Sänger und das Singen an sich näher zu bringen. Aber zu meiner Freude wird Singer Pur zur Zeit von dem einen oder anderen Festival, vor allem auch im europäischen Ausland, ersucht, einen Workshop für Vokalensembles abzuhalten. Unsere Workshops für den wohl größten europäischen Chorverband Europa Cantat in Mainz, Gent und zwei Mal Ljubljana zählen sicher zu meinen intensivsten musikalischen Wochen.

Diese Vielfalt der Arbeit summa summarum, diese Grenzenlosigkeit und Facettenreichtum meiner Aufgaben mit Singer Pur mögen wohl auch der Grund sein, weshalb ich Singer Pur immer noch  –  nach so vielen Jahren  –  als den Grundstein meiner beruflichen Erfüllung betrachte. Dadurch, dass mir nichts verwehrt bleibt, ich mit erfahrenen Kollegen zusammenarbeite, die wie ich offen sein möchten für alles, was mit Gesang und Musik zu tun hat, bleibt die Arbeit immer frisch, flexibel, interessant und neu.

Was will man mehr?