BIOGRAFIE

 

Rüdigeer BallhornMein Vater war Soldat und wir sind oft umgezogen. Zufällig wohnten meine Eltern gerade im nordhessischen Homberg an der Efze, als ich geboren wurde. Aufgewachsen bin ich dann im beschaulichen Niederstetten, einem kleinen Ort in Hohenlohe, dessen einzige wirkliche Attraktion der große Flughafen der Bundeswehr war, von dem mein Vater mit dem Hubschrauber in die Lüfte abhob, was zwar für einen kleinen Jungen sehr beeindruckend war, aber nicht an die Faszination herankam, die eine völlig abgegriffene Langspielplatte meiner Eltern auf mich ausübte: Das London Philharmonic Orchestra spielt Rock Klassiker! Schwer beeindruckt verbrachte ich Stunden damit, vor dem Lautsprecher zu sitzen und zu lauschen. Das war damals schon Cross-Over. Und vielleicht ist diese Platte der Grund für meine breit gefächerten musikalischen Vorlieben.
Pat Boone war damals der Lieblingssänger meiner Mutter - gut möglich also, dass ich Dank eines amerikanischen Schlagersängers meine Gesangstimme entdeckt habe. Jedenfalls hörte ich nicht mehr auf zu singen und meine Eltern beschlossen, das in vernünftige Bahnen zu lenken. Ich sang erfolgreich “Yesterday“ von den Beatles vor und fand im Windsbacher Knabenchor meine erste musikalische Heimat. Die Jahre im Internat, fern von zu Hause, waren nicht immer leicht, wurden aber schon damals vom gemeinsamen Singen im Chor versüßt. Der Name Johann Sebastian Bach prangte auf nahezu jedem Notenblatt und mit dem Nachhall von Schütz und Mendelssohn schlief ichabends ein. Hier wurde der Grundstein für meine spätere musikalische Laufbahn gelegt.
Doch erst einmal sollte ich der Musik untreu werden. Von jeher sportlich interessiert und dem Tennis zugetan, eiferte ich - wie jeder, der damals einen Schläger halbwegs halten konnte - meinem Idol Boris Becker nach und verbrachte jede freie Minute auf dem Tennisplatz. Stimmübungen mussten Vorhandtraining weichen. Aber irgendwann vergaß ich Wimbledon, besann mich eines Besseren und bereitete mich mit privaten Gesangsstunden auf das Musikstudium vor. An der Hochschule für Musik in Würzburg fand ich in dem Tenor Horst R. Laubenthal meinen ersten Gesangslehrer. Mit ihm an der Seite konnte ich im Jahr 2001 als diplomierter Konzertsänger meine Studien erfolgreich abschließen.
Seitdem ist es vor allem die Musik Johann Sebastian Bachs, die einen Schwerpunkt meiner sängerischen Tätigkeit bildet. Und wann immer ich den Evangelisten in einer der Passionen singen darf, fühle ich mich musikalisch zuhause. Ich hatte früh das große Glück, mit einem Profi-Ensemble meinen Lebensunterhalt bestreiten zu können: 9 Jahre lang tourte ich mit dem ensemble six durch die Säle der Republik. Mit gegelten Haaren, in Frack und Lackschuhen, wandelte ich auf den Spuren der legendären Comedian Harmonists - ein großer Spaß und eine tolle Zeit, in der ich viel Bühnenerfahrung sammeln und meine Begeisterung für die “leichte Muse“ ausleben durfte. Daneben blieb ich immer der Klassik treu, fand neue Aufgaben als Solist oder in verschiedenen Chören, darunter dem MDR Rundfunkchor in Leipzig. Eine prägende Zeit erlebte ich von 2001 an im Kammerchor des Gewandhauses zu Leipzig, von dessen künstlerischen Leiter Morten Schuldt Jensen ich viele wichtige musikalische Impulse erhalten habe.
Glück hatte ich auch mit der Auswahl meiner späteren Gesangslehrer. James Wagner nahm mich zuerst unter seine Fittiche, später dann Arthur Janzen, mit dem ich hoffentlich noch lange zusammenarbeiten darf.
Gut behütet kann ich einer weiteren Leidenschaft von mir unbeschwert nachgehen: Dem Schreiben und Komponieren von Songs, zusammen mit meinem Freund und Gitarristen Holger Emmerich. Die Auftritte als Singer-Songwriter sind aus zeitlichen Gründen eher rar gesät, aber dadurch umso schöner.
Wenn ich nicht gerade unterwegs bin, greife ich immer noch gerne zum Tennisschläger, bin leidenschaftlicher Kinogänger, lese dicke Geschichtsromane, koche sehr gern und versuche mich in Gartenarbeit.
Das Arbeiten und Sich- Ausprobieren in verschiedenen musikalischen Stilrichtungen habe ich stets als befreiend und bereichernd empfunden. Von hier aus führten mich Wege und Umwege nun schließlich zu Singer Pur. Eine Herausforderung, der ich mich täglich freudig stelle. Dabei begleiten und unterstützen mich meine Frau und meine beiden Kinder, mit denen ich in Geisenheim im schönen Rheingau lebe.